Wie werde ich glücklich? Ein Selbstversuch ...
Der Weg zum Glück - ist schriftlich ;-)
Amazon führt unter der Rubrik "Ratgeber" 8.074 Bücher mit dem Wort "Glück" im Titel. Google liefert 3.050.000 Treffer bei der Suche "glücklich sein" - wow. Und oft höre ich in Seminaren oder in Coachings als Wunsch „Ich möchte mein Glück finden!“, „Endlich glücklich werden“ oder „mein Glück endlich leben“.
Irgendetwas an diesen Aussagen hat mich immer gestört. Nicht wissentlich, eher so ein unangenehmes Gefühl dabei, obwohl ich diese Sätze auch von mir kenne. Irgendwann bin ich dann draufgekommen. Was heißt, das Glück finden? Dahinter steht eine Präsupposition – eine Vorannahme, und zwar dass man das Glück verloren hat. Aber wie soll das gehen? Hat man es beim letzten Spaziergang auf der Parkbank vergessen oder wie einen Regenschirm im Kaffeehaus stehen lassen?
Bei genauer Betrachtung kommen diese Sätze oft nach Trennungen und Verlusten. So als wäre mit dem geliebten Menschen auch das Glück abhanden gekommen. Und das kann natürlich vorübergehend der Fall sein, aber auf Dauer? Das würde bedeuten, dass unser Glück ausschließlich von externen Faktoren (Menschen, Job, Geld usw) abhängig ist.
Das fühlt sich ganz und gar nicht stimmig an, ehrlich gesagt schreit da eine Stimme in mir drin ganz laut "nein". ;-)
Richard Easterlin ermittelte bereits 1974 in einer Studie über 13 Länder, dass Menschen in reicheren Staaten nicht zwangsläufig glücklicher sind als in armen. Auch bei fortlaufend steigendem Pro-Kopf-Einkommen blieb das allgemeine Glücksempfinden über Jahre gleich.
Geld macht nicht glücklich. 1974 war das weit gedacht – so weit, dass kein Journal damals sich für den Artikel interessierte. Erst in den 90er Jahren wurde Glück zum Thema und unterschiedliche Richtungen beschäftigen sich auf damit: Soziologie, Neurobiologie, Theologie und (positive) Psychologie.
Was aber macht dann glücklich? David Lykken erforschte das Glücksempfinden von ein- und zweieiigen Zwillingen, die getrennt und teilweise auch unter völlig verschiedenen Lebensbedingungen aufwuchsen. Die Übereinstimmungen der Aussagen der Zwillinge ließen nur eine Schlussfolgerung zu – Glücksempfinden ist teilweise auch durch die Gene bestimmt. Durchgesetzt hat sich mittlerweile dennoch eher die Annahme einer Grundbegabung zum Glücklichsein – die soll übrigens bei Frauen durchschnittlich höher sein als bei Männern. ;-) Und diese Grundbegabung lässt sich trainieren!
Durch die Gehirnforschung weiß man mittlerweile, dass es eine Art „Glückszentrum“ im Gehirn gibt, dessen neuronale Verästelungen sich verdichten, wenn man sich wiederholt mit bestimmten Dingen beschäftigt. Nun sind die meisten von uns seit der Schulzeit darauf trainiert, die Mängel zu sehen. Nicht was schon erreicht ist, wird gefeiert, sondern was noch fehlt oder falsch ist, wird mit roter Signalfarbe markiert. Es nimmt nicht weiter Wunder, wenn man diesen „Mangelblick“ auch später beibehält.
Eine wunderbare Gegenstrategie dazu ist das Glückstagebuch. Ich habe das erste Mal davon von einem meiner Mentoren erfahren. Die Idee dabei ist, jeden Tag 3 Erlebnisse aufzuschreiben, für die man gerade dankbar und/oder glücklich ist. Ich übe mit diesem Tagebuch jetzt seit einigen Monaten und kann nur sagen – ja, es stimmt. Das persönliche Glücksempfinden und die allgemeine Lebensfreude wird dadurch enorm gesteigert.
Ich habe diese Strategie früher schon in Gedanken vorm Schlafengehen durchgespielt, seit ich sie aufschreibe, wirkt sie jedoch deutlich besser. Dafür könnte es mehrere Gründe geben, ich glaube für mich persönlich ist es hauptsächlich ein bestimmter Effekt: das Zurückblättern der letzten Tage und Wochen – denn was ich gedanklich gar nicht mehr wüsste, hier steht es schwarz auf weiß: es gibt jeden Tag mindestens 3 Dinge, für die ich dankbar bin und die mich glücklich machen.
Einige meiner Glücksmomente heute:
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Der Anruf eines Freundes gleich in der Früh
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Ein Stromausfall im gesamten Bezirk, der mir einen unerwarteten Lauf in der Mittagssonne beschert hat.
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Eine neue Klientin hat mich für ein Coaching gebucht.
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Der Gedanke, dass mein Blog hier vielleicht auch ein wenig beiträgt, macht mich auch gleich ein wenig glücklicher. ;-)
Warum? Weil eine Harvard-Studie mit über 5.000 Erwachsenen über 20 Jahre hinweg ein soziales Netzwerk abbildete und die gegenseitigen Beeinflussungen berechnete. Und siehe da, glückliche Menschen im Umfeld erhöhen die Chancen, selbst glücklich zu sein, und zwar:
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ein glücklicher Freund um 25%
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ein glücklicher Bruder/eine glückliche Schwester um 14%
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sogar weiter entfernte Freunde um noch immer 6%
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und erstaunlicherweise: glückliche Nachbarn sogar um 34%
Daher mein Aufruf heute: teilt mit uns, was euch glücklich macht!! Große und kleine Momente, schreibt es hier in den Kommentaren, erzählt es euren Freunden, postet es auf Facebook. Lasst uns die Welt ein bisschen bunter machen!
Wer nichts über Glück weiß, kann es auch nicht finden.
Manfred Spitzer
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Ja, sehr gute Idee mit dem Aufschreiben von glücklichen Erlebnissen. Da ich seit langem an Poesietherapeutischen Gruppen (bei Dr.Carmen Unterholzer)teilnehme, weiß ich, wie heilsam "Literarisches" sein kann!Tja, ansonsten: Glück ist nur spürbar, wenn es mal kommt und mal geht(Manfred Spitzer ein bissel umformuliert)und dass es da ist, erkennen wir nicht immer. Übrigens meint Spitzer, dass "Lernen" (nicht unbedingt das Schulische wie es jetzt stattfindet) den Menschen am glücklichsten macht...LG Edith